„Wie jeder Zivilcourage zeigen kann“
Weihnachten steht vor der Tür! Bei dem Wort „Weihnachtszeit“ denke ich vor allem an Schnee, heiße Schokolade, einen bunt geschmückten Tannenbaum und das Zusammenkommen in der Familie und im Freundeskreis. Man stellt sich ein friedvolles und freudiges Miteinander vor, doch in unserer Gesellschaft trifft man leider selbst zur besinnlichen Weihnachtszeit auf Aspekte, die negative Folgen für unsere Gesellschaft haben.
Unser Alltag bietet mehr Situationen, in denen man Zivilcourage beweisen kann, als man denkt, denn um den Mut zu haben, sich für seine Mitmenschen einzusetzen, muss man kein Held sein. Warum die Zivilcourage für unser gutes Miteinander so wichtig ist, welche Beispiele man im Alltag dazu findet, was uns überhaupt zum Zeigen von Zivilcourage bringt und was man unter dem „Bystander-Effekt“ versteht, schauen wir uns in diesem Text zum Thema: „Wie jeder Zivilcourage zeigen kann“ genauer an.
Was uns stark macht, um Zivilcourage zu zeigen
Zuerst möchte ich klären, welche Faktoren eine Rolle dabei spielen, ob man eingreift und eine andere Person somit aus einer brenzligen Situation rettet oder lieber den anderen Weg einschlägt, indem man wegschaut. Menschen, die selbst in kritischen Momenten einen kühlen Kopf bewahren, neigen wahrscheinlich schneller dazu, Hilfe zu leisten, als Personen, die leicht gestresst oder vor Anspannung nervös werden. Hinzu kommt die Empathiefähigkeit: Darunter versteht man die Eigenschaft, die Gefühle sowie Gedanken eines anderen Menschen nachzuempfinden und zu verstehen. Wenn man sich also gut in andere hineinversetzen kann, sollte man dadurch die Lage einer Situation besser einschätzen können. Bei unserer Entscheidung spielt ebenfalls das Selbstvertrauen eine große Rolle, denn wer würde in einer kniffligen Lage den Mut haben, ohne Selbstvertrauen einzugreifen? Zum Schluss möchte ich noch auf den Aspekt der Wertvorstellungen eingehen. Hier sollte man sich die Frage stellen: „Trage ich eine soziale Verantwortung für das Wohl anderer und möchte ich mich für moralische Sichtweisen wie Friedfertigkeit, Toleranz sowie gegenseitigen Respekt einsetzen?“ Doch nicht nur an den Charaktereigenschaften kann man erschließen, ob jemand eingreift oder nicht, sondern auch an der Umwelt, dem gesellschaftlichen Klima und Gruppen, wie einer Schulklasse oder in der Familie wie auch in einem Sportverein, wo eigentlich Offenheit, Respekt, aber auch Kritik geduldet werden sollte.
Was uns davon abhält, zu helfen: Der Bystander-Effekt
Gruppendynamik spielt bei der Entscheidung, ob wir Zivilcourage zeigen, eine große Rolle: Zum Beispiel sorgt der „Bystander-Effekt“ dafür, dass man sich in uneindeutigen Situationen an anderen Personen orientiert, doch wenn diese einander ebenfalls nur fragend ansehen, dann schiebt man sich automatisch gegenseitig die Verantwortung zu. Man fragt sich, weshalb man Selbst eingreifen solle, wenn doch ein anderer es auch machen könnte. Etwas, das dieses Handeln unterbrechen würde, wäre eine Aufforderung, die die Mitmenschen zum Handeln aufruft.
Ob in der Schule oder im Berufsleben: Überall gibt es Gelegenheiten zur Zivilcourage. Selbst in unserem direkten Umfeld findet man leider Spuren von Gewalttätigkeit, Diskriminierung, Aggressionen und weiteren negativen Werten. Wenn Schwachen oder Erfolglosen zu wenig Respekt entgegengebracht wird, ist Zivilcourage gefragt. Sowohl wenn von Mobbing in Schulen die Rede ist als auch wenn eine Verkäuferin von ihrem Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden niedergemacht wird, sollte man Hilfe leisten und dem Opfer Mut entgegenbringen, ohne sich selbst zu gefährden. Auch ein Notruf ist Zivilcourage. Selbst wenn man sich einer bestimmten Meinung in der Familie oder im Freundeskreis nicht anschließen möchte oder eine gegenteilige Meinung vertritt, kann man von Zivilcourage sprechen.
Umfrage zeigt: Mangelnde Zivilcourage wird als Problem wahrgenommen
Zivilcourage hat, wie wir schon erfahren haben, viele Facetten, die Bedeutung für unsere Gesellschaft haben, da sie uns zu einem besseren Miteinander verhilft. Dieser Aussage stimmten 2022 auch 65% von 1009 Befragten über 18 Jahren bei einer Umfrage unter der Frage: „Denken Sie, dass die Ursache von Gewalt in der Gesellschaft auch an der mangelnden Zivilcourage liegt?“ zu. Somit ist sicher, dass das Schweigen der Mehrheit von dem Täter falsch interpretiert und dadurch auch als Zustimmung zu seinem Handeln falsch wahrgenommen wird, wodurch nicht nur fatale Konsequenzen für das Opfer entstehen. Je mehr Bürger Zivilcourage zeigen, desto mehr Menschen folgen ihrem Beispiel, sodass die Tatenlosigkeit des „Bystander-Effekts“ verschwinden kann und wir lernen, uns für unsere Mitmenschen einzusetzen, ohne uns dabei selbst in Gefahr zu bringen.
Zivilcourage ist der Mut, sich für eine friedliche und gewaltfreie Gesellschaft zu engagieren. In unserem Leben finden sich viele Situationen, in denen unser Verantwortungsbewusstsein gefordert wird, deshalb können und wollen wir nicht wegschauen, denn die Stimmung unseres Miteinanders geht uns alle an. Wir alle können den Mut haben, uns für unsere Mitmenschen einzusetzen und somit Zivilcourage beweisen, weil nur so der Zusammenhalt der Gesellschaft gestärkt werden kann.
Ein Beitrag von K. M.
(Mitglied der eJournal AG des Christian-Rohlfs-Gymnasium Hagen)
